Blog 10/2017


Unternehmen lassen lieber eine Stelle lang unbesetzt ...


www.christine-karall.de

#Duhnen

Ostermontag und Osterdienstag. Spaziergang am Strand von Duhnen. Duhnen – ein Ort an der Nordseeküste mit dem unverfänglichen Charme der Bausünden der 70er Jahre, die sich auch weiter durchgesetzt haben. Eine Strandbefestigung, die Millionen im Jahr kosten muss. Aber in der Nähe. Keine lange Anfahrt, viel Wind – und trotz schlechter Wettervorhersage: Kaum Regen. Dafür aber viel Sonne. Und dadurch gefühlte 10° Grad Frühlingstemperatur. Als wir angekommen sind, konnten wir uns anmelden in einem modernen Büro, in dem eine etwas ungepflegt wirkende ältere Dame saß, die nicht den Eindruck machte, sich über die Gäste zu freuen. So erhielten wir ohne besonders freundliche Worte die Schlüssel. Über die Wohnung war ich dann erstaunt – ich hatte eine 70er Jahre-Muff-Wohnung erwartet – weit gefehlt. Kurzurlaub, so ist jetzt die Devise, wird es dieses Jahr noch mal geben. Es hat allen gefallen. Das ist bei uns nicht selbstverständlich. Sogar die Tradition, etwas früher abzufahren, als geplant, konnte eingehalten werden.

#Home-Office

Ein klassischer Home-Office-Tag. Sichtung von Versäumten, Planung von Notwendigem, Terminierung von Aufgaben … Terminabsprachen für einen neuen Kunden, der seine Existenzgründung in Bremen planen will. Es geht um den Vertrieb von Reinigungsmaschinen für den privaten Gebrauch – in großem Stil. Ein Konzept liegt in den Grundzügen schriftlich und im Kopf vor – jetzt brauchen wir nur noch einen bankentauglichen Businessplan zu entwickeln und mal genau rechnen, damit dann entsprechende Förderprogramm-Mittel der KfW-Bankengruppe beantragt werden können. Liest sich jetzt einfacher als es dann gemacht werden kann, vor allem, weil eine die BAB schon auf Abgabe von Unterlagen gedrungen hat, bevor ich diese überarbeiten konnte. Mal sehen, was zu retten ist.

#DoppelteFreiheit

Was ich gar nicht leiden kann, ist heute zweimal passiert: Wenn Menschen Chancen ungenutzt lassen. Die eine Möglichkeit, Chancen nicht zu nutzen, besteht darin, den Glaubenssätzen von früher immer weiter zu folgen. Und dann nach der Maxime zu handeln: Es kann sich leider nichts ändern, weil alles andere wichtiger ist, als sich einer Chance zu stellen. In dem einen Fall: Der Chance, Geld zu verdienen, in einer Situation, wo eigenes Geld die Chance wäre, einen großen Batzen Probleme zu verlieren. In dem anderen Fall ging es darum, eine Stelle anzutreten, die bei einem ebenfalls seriösem Unternehmen eine lebenslange Arbeitsperspektive hätte ermöglichen können. Was soll ich sagen: Der Termin wurde im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen … In beiden Fällen – das möchte ich betonen – ging es nicht um Zeitarbeit. Die Menschen sind frei. „(..) frei in dem Doppelsinn, dass er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, dass er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen." Diese von Karl Marx gefundene Definition des doppelt freien Lohnarbeiters bedeutet eben auch, dass der Lohnarbeiter nicht arbeiten muss. Dann muss er zwar verhungern, aber … ach ja, das war früher.

#Unbesetzt

Seit 1992 bin ich in der ein oder anderen Funktion damit befaßt, für von arbeitslos bedrohte Menschen, für Langzeitarbeitslose und gerade arbeitlos gewordene Menschen nach neuen Jobs zu suchen. Mit ihnen gemeinsam. Im Auftrag von Arbeitgebern. Aber im Augenblick ist es wirklich schwierig geworden.  „Ein Unternehmen lässt heute lieber eine Stelle monatelang unbesetzt und sucht weiter nach dem ganz genau passenden Spezialisten, anstatt jemanden anzustellen, der oder die noch etwas Einarbeitungszeit oder Weiterbildung nötig hätte.“ Das gilt mittlerweile auch für die Ebene der Lagerarbeit und den Staplerfahrer.  Seit einigen Tagen habe ich die umgekehrte Situation: Ich kann Stellen nicht besetzen, weil ich keine Bewerber oder Bewerberinnen finde, die ein Fahrerlaubnis für PKW haben. Drei Stellen, bei drei Unternehmen, keine Zeitarbeit. Jeweils mit Perspektive. Ich berichte weiter.

#Fail

Samstag war ein Heimwerker- und Aufräumtag. Alte Akten vom Dachboden holen und gucken, war weg kann, ist toll. Da findet sich dann auch immer noch wieder was Praktisches und Neues. In diesem Fall ein handschriftlicher Lebenslauf meines Vaters – ich glaube, dass ich den schon mal in den Händen hatte. Aber gelesen und behalten habe ich ihn jetzt erst im Kopf. Und beim Handwerken ist mir dann aufgefallen, dass T-Online mit dem Song „Revolution“ von Depeche Mode Werbung macht. Ob so eine Band das selbst entscheiden kann – oder die Musikrechte und deren Vertriebsgesellschaften das autonom entscheiden können? Viele Stücke auf dem neuen Album gefallen mir musikalisch nicht so sehr – aber die Texte und Videos sind superklasse. „»We failed«, wir haben versagt, barmt Gore in einer seiner zärtlich-entrückten Balladen, für die die Zeit nie reif zu sein scheint. Depeche Mode haben die Welt auf ihre Weise interpretiert, es kömmt immer noch darauf an, sie zu verändern – so zu lesen in jungewelt. Oder wie Oliver Götz in musikexpress schrieb: "Fail“, am Ende der Platte, handelt davon, dass wir alle es verkackt haben, der „Spirit“ aus der Welt verschwunden ist: „Oh, we failed“. Dieses Tremolo setzt einem zu. Man muss ihm glauben oder sich schütteln.




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