Blog 13/2017


WIE DU DEIN UNTERNEHMEN IN 7 SCHRITTEN GRÜNDEST


Schritt 1: Fragen beantworten

Existenzgründung vorbereiten, heisst: Viele Fragen zu Beginn ordentlich klären!

GründerInnen, die erfolgreich sein wollen, müssen sich gleich zu Anfang viele Fragen stellen. Fragen, die auch beantwortet werden müssen.

Es geht dabei um den klaren Blick für Realitäten, den GründerInnen in der Anfangsphase stets behalten müssen – auch wenn noch so viele Freunde sagen: „Tolle Idee, gutes Konzept – das wird bestimmt ein Erfolg.“

Laut dem DIHK-Gründerreport 2016 haben sich nur ein Drittel aller GründerInnen intensiv Gedanken dazu ge-macht, was denn der genaue Kundennutzen der Dienstleistung oder des Produktes sein könnte.

Wer als Selbstständiger von vornherein das falsche Produkt oder die falsche Dienstleistung wählt oder sein Unternehmen im falschen Markt und der falschen Zielgruppe präsentiert, wird wenig Erfolg mit der Existenzgründung haben. ExistenzgründerInnen müssen sich also detailliert mit ihren potentiellen KundInnen befassen.

Schritt 2: Markt- und Branchenanalyse durchführen

GründerInnen machen oft den Fehler, zu glauben, dass eine gute und gründliche Vorbereitung nicht mehr not-wendig ist, wenn sie ein Problem gelöst haben. Der La-den mit der vielleicht sogar guten Lage bei vernünftiger Miete, die drei Kunden, die mit einem Auftrag winken, und dann meistens noch ein Freund, der sagt: „Das geht schon. So habe andere auch angefangen, ich helfe dann auch, so gut es geht, bei allen anderen Sachen, die noch nicht geregelt sind. Das kriegen wir dann schon hin.“ Zugegeben: Es kann gut gehen. Meistens geht es aber schief. Mit einer großen Dynamik zu starten, ist natürlich gut. Aber geplant sollte diese schon sein. Nach Angaben DIHK-Studie aus 2016 waren die GründerInnen viel zu oft nicht fähig, ihr eigenes Produkt gut zu umschreiben. Denn der Verkauf der eigenen Idee ist entschei-dend – um Kunden, Partner oder Journalisten zu über-zeugen. Eine gute Idee zu haben, ist eben nicht alles. „Wer sein Produkt nicht mit einem Satz definieren kann, sollte es eigentlich schon hinterfragen“ – das ist die Vorgabe von Experten. Ohne Kenntnis der Branche kommt es zu Fehlentscheidungen. Branchenanalyse, Marktanalyse und Wettbewerbs-Check ist notwendig. Detailarbeit, die nervt, ich weiß. Aber ohne geht es nicht.

Schritt 3: Businessplan erstellen

Ganz oft begegnet mir in der Beratungspraxis die Frage nach dem Businessplan. An der Art und Weise, wie die Frage gestellt wird, erkenne ich meistens schon den Versuch, die Antwort zu erhalten: „Eigentlich braucht man doch nur einen Businessplan, wenn man Geld von der Bank will, oder?“ Wenn ich dann antworte: „Jede Gründung braucht einen Businessplan,“ ist das Entsetzen groß. Im Businessplan wird beschrieben, wie die Geschäfts-idee funktionieren soll, an wen sich die Geschäftsidee richtet. Aber auch: Wo die Chancen und Risiken liegen und ob sich die Umsetzung der Geschäftsidee überhaupt lohnt. Chancen und Risiken genau zu betrachten ist das eine. Sich der Aufgabe zu stellen, genau auszurechnen, ob sich die Geschäftsidee auch lohnt, ist das andere. So eine Berechnung kann eben auch das Ergebnis haben, zu sagen: Finger weg davon. Das geht schief … Der Businessplan ist somit eine Art Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie der Geschäftsidee. Die Machbarkeit und die Wirtschaftlichkeit zu berechnen ist nur für den Gründer und die Gründerin wichtig: Machbarkeit heißt: Ist die Idee umsetzbar? Wirtschaftlichkeit heißt: Lohnt es sich? Ohne Businessplan kein Plan – und Planungsmängel sind eben auch Hauptgrund für ein Scheitern innerhalb der ersten 3 Jahre.

Schritt 4: Umsatz realistisch berechnen

Allerdings: Auch bei den Gründungen mit einem Businessplan unterschätzen GründerInnen den Finanzbedarf zum Teil gewaltig. Eine zu geringe Finanzierungs-planung ist die Ursache für das Scheitern - bereits zum Geschäftsbeginn. Immer wieder ist mir in der Beratung von GründerInnen aufgefallen, dass die Umsatzplanung von anderen als den GründerInnen selbst erstellt wurde – mit fatalen Folgen. Im Vertrauen darauf, dass die Planung eben nicht so wichtig ist. Denn: Da gibt es dann den Freund, „der die Zahlen für mich ermittelt hat. Der kennt sich aus, der war auch schon mal selbstständig.“ Oder: „Das lasse ich von meinem Steuerberater machen, na ja, ist eigentlich kein Steuerberater, aber arbeitet da.“ Die Begründung für diese Vorgehensweise sind dann entsprechend dünn: „Wie soll man denn drei Jahre im Voraus planen – ich kann ja nicht in die Zukunft gucken“. Meine Antwort lautet dann immer: „Klar, die Zukunft können wir nicht voraussehen – aber rechnen können wir.“ Zukunft aufbauen – ohne Zahlen, die die GründerInnen selbst nach besten Wissen ermittelt haben – das geht auf jeden Fall schief. Denn: Eine Um-satzplanung zu erstellen, ist keine Wahrsagerei, sondern einfaches Rechnen und logisches Denken. Leider ist es so, dass die meisten Gründungsberater, die über Google gefunden werden, die Umsatzplanung komplett falsch herum aufbauen. Denn da wird seiten-lang geschwafelt über Kapazitäten, über den Markt, die Branche, die Konkurrenzanalyse – alles das legen wir bei einer Umsatzplanung erst mal zur Seite. Denn entscheidend für die Planung ist, was der Gründer oder die Gründerin verdienen muss, um die durch die Geschäftsgründung entstehenden Kosten zu refi-nanzieren. Und im zweiten Schritt sind dann die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt zu berechnen. Die Kosten, die das Unternehmen jeden Monat hat (also die Fixkosten) und die Lebenshaltungskosten pro Monat sind die beiden Ausgangsgrößen, um den Umsatz zu berechnen. Das Zieljahreseinkommen und die betrieblichen Fix-kosten sind entscheidend – dann haben Gründerinnen und Gründer eine entsprechende Planzahl, die für die weitere Planung entscheidend ist. Nur wer selber rechnet, kann sich sicher sein, am En-de nicht auf falschen Zahlen seine Zukunft aufgebaut zu haben. Dabei gilt: Hilfe ist erlaubt. Verantwortung für die Planung ist aber nicht delegierbar. Tools gibt es, die dabei helfen.

Schritt 5: Website bauen

Mit Jimdo und RankingCoach bei Google auf Seite 1!

Die Erstellung einer Website ist ein zentraler Baustein bei der Marketing Strategie, die heute alle GründerInnen brauchen. Immer wieder höre ich dann: „Da habe ich einen Freund, der das für mich macht.“ Ein Freund, der sich gut mit EDV auskennt und ganz billig und schnell eine tolle Homepage erstellen kann. Für mich ist das unverständlich. Denn: Die Internet-Seite ist die Visitenkarte für jedes Unternehmen. Die Website sollte auch das "transportieren" können, was der Gründer erreichen will: Kunden sollen anrufen. Oder vorbeikommen. Oder einen Auftrag vergeben. Die Website muss also ganz genau auf die Zielgruppe abgestimmt sein. Das ist das eine Problem. Aus einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung aus dem Jahr 2012 geht hervor, dass fast 40 Prozent der untersuchten Gründungsvorhaben die Zielgruppe nicht genau benennen konnte. Das Problem ist bekannt: Wenn die Zielgruppe zu breit angelegt ist, wird das beim Marketing zum Problem. Wichtig ist: GründerInnen müssen viel Arbeit und Energie in die Zielgruppen-Analyse stecken. Eigentlich ist es dann logisch, dass die Website nach den Vorstellungen der GründerInnen eingerichtet und aufgebaut werden muss – nur er oder sie kennt die Produkte am besten, kennt die Zielgruppen am besten und weiß, was die Kunden wollen. Wenn Experten das machen sollen, kostet das Geld. Wenn GründerInnen es selbst machen wollen, kostet es Zeit, aber eben wenig Geld. Mein Rat also: Dem Freund, der sagt, er kann das, da-rum bitten, zu zeigen, was schon alles online von ihm ist. Und nicht blind glauben. Die Website ist heute eine andere Form der Visitenkarte. Auch hier gilt: Der erste Eindruck zählt. Die Erstellung einer Website ist also ein zentraler Baustein bei der Marketing-Strategie, die heute alle GründerInnen brauchen. Die Erstellung ist also nicht nur EDV-Technik - sondern harte inhaltliche Arbeit der GründerInnen. Diese Arbeit ist nicht delegierbar.

 

Schritt 6: Buchhaltung und Steuern verstehen

Wer eine gute Idee hat, ist noch kein guter Geschäftsmann. Laut DIHK wurden in 42 Prozent der Fälle kaufmännische Mängel als Grund für ein mögliches Scheitern deutlich. Doch offenbar nehmen viele Gründer das Thema noch nicht ernst genug. "Na ja, ich krieg das schon alles hin - nur mit Buchhaltung, da kenne ich mich nicht aus - da hilft mir dann ein Bekannter." Bekannter - das ist hier ein Platzhalterwort - kann auch stehen für "Freundin", "Mutter", "Kumpel". Meistens sind das dann auf Nachfrage Menschen, die zwar kein Steuerberater, auch keine Steuerfachangestellten sind, aber eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich haben. Es muß ja nicht gleich so sein, daß der Nachbar oder Freund oder Bekannte sich strafbar macht: Denn: Wer seinem Nachbarn bei der Steuer hilft, macht sich strafbar wegen des Verstoßes gegen das Steuerberatungsgesetz.

Dies gilt auch dann, wenn der Freund für seine Hilfe keine Gegenleistung nimmt. Mit Geldbußen kann auch der „Auftraggeber“ belegt werden. Außerdem besteht keinerlei Anspruch auf Gewährleistung oder Schadenersatz, wenn Ratschläge falsch sind. Allerdings: In meiner Beratungspraxis ist dieser Fall bisher nur selten vorgekommen – und dann schnell beendet worden, wenn ich über die Folgen aufgeklärt habe. Aber: Schlimmer ist es, wenn die gebuchten Zahlen, die Systematik einer Buchhaltung und die entsprechenden Ergebnisse für nicht so wichtig erachtet wer-den. Wer die Zahlen nicht ernst nimmt, ist meistens schneller in einer ernsten Lage, als es ihm oder ihr lieb ist. Auch wenn ein Gründer oder einer Gründerin ein kluger Kopf ist, in seinem Bereich ein sehr gutes Fach-wissen hat. Auch wenn ein Gründer oder eine Gründe-rin gut mit Kunden klarkommt. Und dazu noch sagen kann „Läuft“ – wenn es um Aufträge, Auslastung und Umsätze geht. Dinge wie Buchhaltung, Rechnungswesen und Controlling nicht zu kennen, ist das eine. Sich dieser Aufgabe zu stellen und sich notwendiges Wissen anzueignen ist das andere. Nur wenn das andere auch klappt, wird es mittelfristig nicht zu Problemen kommen.

Schritt 7: GründungsExperten fragen!

Mit der Startothek die Gründung vorbereiten!

Was wären wir ohne Freunde. Gerade bei einer Gründung gilt: Freunde und Familie müssen hinter Dir stehen. Und sich bei Problemen vor Dich stellen. Aber es gibt auch Freunde, die wir nicht brauchen. Ein Typus ist der, der sich nur in seinem Fachgebiet gut oder sogar sehr gut auskennt. Je besser der Experte in seinem Fachgebiet ist, desto weniger taugt – in der Regel - sein Rat für die Planung einer Existenzgründung. Denn durch die Anwendung von Expertenwissen kommt es bei Existenzgründungen immer wieder zu Problemen. Experten und Expertinnen beantworten die Fragen von ExistenzgründerInnen immer auf ihren Spezialbereich hin – meistens ohne die Folgewirkungen für andere Bereiche zu bedenken. Genauso, wie es eine komplexe Sache ist, ein Unter-nehmen oder einen Betrieb zu führen, ist es bei der Vorbereitung einer Existenzgründung ebenfalls not-wendig, ganz unterschiedliche Bereiche zu durchleuchten, zu erfassen, zu verstehen. Dass macht es ja auch so spannend - eigentlich will ei-ne Gründerin oder ein Gründer ja nur das machen, was er oder sie am besten kann: Blumen verkaufen, Architekturdienstleistungen erbringen, Pokertische bauen und verkaufen, hochwertige Hamburger verkaufen – aber es geht eben nicht nur darum, fachlich das Richtige zu tun. Existenzgründung ist eine komplexe Sache, die nicht mit dem Spezialwissen aus einem Fachgebiet aus-kommt, sondern ganz viele Facetten und Bereiche müssen bedacht werden. Existenzgründung rechtssicher planen. Alle Bereiche umfassend betrachten.

 




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Kommentare: 1
  • #1

    Christine Karall (Dienstag, 13 Juni 2017 09:45)

    Diese 7 Tipps bringen es auf den Punkt! Es schadet auch nicht, sich diese Schritte immer wieder aufs Neue vor Augen zu führen. Egal, wie lange man schon selbstständig ist. Vielen Dank für diesen Blogartikel!