Blog 20/2017: Einblick. Ausblick. Rückblick.


Wahlherbst 2017: Alleinstellungsmerkmale?

Existenzgründung vorbereiten, heisst: Viele Fragen zu Beginn ordentlich klären!

In diesen Tagen ging es im Auto mal wieder um Wahlplakate. Der junge Mann, Deniz Kurku, so meine Tochter, würde so aussehen, als wenn er nicht wirklich lächeln wollte, sonder lächeln musste. Und die Dame mit der Nichtfrisur, so setzt sie einen oben daruf: Das Lächeln wäre falsch und aufgesetzt. Am Bundestagswahlabend hat mein Sohn (7 Jahre) noch mal wiederholt, was er Martin Schulz geraten hat: „Er hätte einfach sagen sollen: So nicht, Frau Merkel, so geht es nicht!“ Wenn ich mir die Spiegel-Titel-Story durchlese, dann liegt er richtig: Es hat für Martin Schulz nicht gereicht, weil er sich nicht genug abgegrenzt hat. Existenzgründer und Existenzgründerinnen wissen, worum es geht: Das Alleinstellungsmerkmal, was uns im Wettbewerb unterscheidbar macht von den vielen anderen mit ähnlichen Angeboten: Der Markenkern, der uns ausmacht. Meine Erfahrung zeigt mir, dass sich viele Gründerinnen und Gründer nicht damit auseinandersetzen und manchmal sogar nicht merken, dass sie eine Marke entwickelt haben, die verteidigt werden muss.

Die beste Übung, herauszubekommen, ob Du Deinen Markenkern kennst, ist immer noch der Elevator Pitch: Versuche dabei, in 30 Sekunden die wichtigste Botschaft Deines Unternehmens in kurzen Sätzen zu sagen. Und denke dabei daran, dass Du später nicht mehr die Zeit haben wirst, Deine Sätze zu wiederholen, weil Dein Gegenüber dann den Elevator = Fahrstuhl verlässt. Für immer. Probiere es aus – Du wirst mit der Zeit besser werden und genauer. Und wenn Du dann noch authentisch bist – dann kommt der Erfolg fast ganz von alleine. Nach harter Arbeit.


Der Samstag gehört wem?

Viele werden es nicht mehr wissen: Die Arbeitszeit von 35 oder 38,5 Stunden pro Woche ist nicht vom Himmel gefallen. Ein gescheiterter Arbeitskampf Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre für die 35-Stunden-Woche und erfolgreiche Arbeitskämpfe 1984 und 1987 haben dann in der Metall-Industrie dazu geführt, dass die Arbeitszeiten langsam gesunken sind – bei teilweise vollem Lohnausgleich. Wenn jetzt die IG Metall die Forderung erhebt, dass die Einführung der 28-Stunden-Woche im nächsten Manteltarifvertrag stehen soll, dann freue ich mich darauf, wie schon damals, außerbetrieblich dafür zu werden – gerne wieder mit einer Bürgerinitiative für die 28-Stunden-Woche. Wenn ich als Selbstständiger die Situation habe, dass ich arbeiten kann, wie es paßt, dann ist die Forderung der IG Metall für alle Beschäftigen richtig: „Die IG Metall fordert deshalb unter dem Motto "Arbeitszeit, die zum Leben passt" zusätzlich zu Lohnerhöhungen ein individuelles Recht für die Arbeitnehmer, die Wochenarbeitszeit befristet von 35 auf 28 Stunden zu verkürzen“. Wir werden es erleben und nicht nur zusehen können. Dabei geht es inhaltlich darum, ob die Angriffe auf das Arbeitszeitgesetz in der Fassung von 1994 zu halten ist, oder ob die Angriffe aus unternehmerischer Praxis und individuellem Gestaltungswunscht dazu führen, dass diese „letzte Haltenetz“ verloren geht: Das Arbeitszeitgesetz soll Menschen ja die Sicherheit haben, nach acht Stunden ihre Arbeit beenden zu dürfen. Falle die Acht-Stunden-Regel, könnten Arbeitgeber anordnen, dass Beschäftigte drei Tage lang jeweils zwölf Stunden arbeiten müssten. Wir wissen: Das ist mit Familie nicht mehr zu vereinbaren. Dabei geht es auch um Belastungsgrenzen, und eine liegt definitiv bei acht Stunden Arbeitszeit. Das ist wissenschaftlich längst erwiesen.


Lange Zeit arbeitslos. Krank ohne Hilfe!?

Die Website "O-Ton-Arbeitsmarkt" ist eine wichtige Informationsquelle für Berater wie mich. Dort ist jetzt zu lesen, was die Beratungserfahrung im Coaching von Langzeitarbeitlosen von vielen Kollegen und Kolleginnen und mir schon lange gefühlte Wahrheit ist: "Hartz-IV-Empfänger mit einer psychischen Erkrankung erhalten nicht ausreichend Zugang zu arbeitsmarktpolitischen Förderungen. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor. Doch gerade Langzeitarbeitslosigkeit kann der psychischen Gesundheit schaden. Ein bedarfsgerechtes Förderangebot und mehr Teilhabe an der Arbeitswelt hingegen könnte die Situation der Betroffenen verbessern. Psychisch Erkrankte, die Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende beziehen, erhalten nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu selten Zugang zu arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. In einer in diesem Monat erschienenen Studie analysiert das IAB die Situation psychisch erkrankter Empfänger von Hartz-IV-Leistungen und ihre Betreuung durch die Jobcenter. Die Untersuchungen des IAB verweisen darauf, dass Arbeit auch für psychisch erkrankte Leistungsempfänger einen hohen Stellenwert hat. Umgekehrt erleben psychisch Erkrankte gerade langfristige Arbeitslosigkeit überwiegend als negativ. In einigen Fällen kann Arbeitslosigkeit jedoch auch eine Entlastung für die Betroffenen sein. Auf Basis der Untersuchung fordert das IAB daher grundsätzlich, dass psychisch Erkrankte im Hartz-IV-Bezug bedarfsgerechte Förderangebote erhalten. Maßnahmen für diese Zielgruppe sollen möglichst eine Anschlussperspektive bieten, damit sie (vormals) Arbeitslose langfristig stabilisieren. Das IAB geht davon aus, dass psychisch Erkrankte auch nach der Integration in Arbeit noch auf intensive Betreuung angewiesen sind. Für die Personen, die keine Aussicht auf eine ungeförderte Beschäftigung haben, schlägt das IAB „längerfristige Beschäftigungsmaßnahmen (etwa im Sinne eines ‚sozialen Arbeitsmarkts‘)“ vor."
Wie lange wir wohl noch solche Studien lesen müssen, bevor endlich wirkliche politische Maßnahmen sichtbar werden?

 


Widersprüchlichkeit des Alltags.

Mit Jimdo und RankingCoach bei Google auf Seite 1!

An manchen Tagen ist es im unternehmerischen Alltag nicht einfach, sich über die kleinen Erfolge zu freuen. Aber es ist immer wichtig, sich diese klar zu machen. Sei es das Aufsteigen einer Homepage auf Seite 1 bei Google in wenigen Monaten strukturiertem Online-Marketing, wie bei Saubermänner Hannover GmbH. Oder die Vermittlung von zwei jungen Frauen, die ihre Heimat Syrien verlassen haben, um hier zu leben. Nachrichten lesen vergällt einem dabei aber dann diese Erfolge.  Zu widersprüchlich sind die Erlebnisse manchmal. Aber diese Nachricht von SWR aktuell vom 13.10.2017 haben mich doch umgehauen: „Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die Atomaufsicht gehandelt. Noch spektakulärer als die Schließung selbst ist die Begründung: Es drohe eine Kernschmelze in dem Akw Tricastin im Süden Frankreichs (Departement Drôme). Umweltschützer wie Yannick Rousselet, Atomkraftkoordinator bei Greenpeace Frankreich, warnen schon seit Jahren vor dem sogenannten Fukushima-Szenario, der Kombination aus Erdbeben und Überflutung. Alle Atomkraftwerke in Frankreich seien sehr alt. Die größten Risiken gebe es aber beim Kraftwerk Tricastin und beim Kraftwerk Fessenheim, so Rousselet. In Tricastin und in Fessenheim lägen die Reaktoren bis zu zehn Meter unterhalb des Wasserspiegels der großen Kühlwasser-Kanäle, sagt Rousselet. Gäbe es ein Erdbeben und die Dämme würden brechen, dann würde nicht nur das Kraftwerk überschwemmt. Je nach Größe der Bruchstelle stünde auch nicht mehr ausreichend Kühlwasser zur Verfügung. Die Folge wäre ein Super-Gau. Die Position von Greenpeace ist nicht neu. Neu ist aber, dass die französische Atomaufsicht ASN diese Einschätzung nun teilt - zumindest was Tricastin angeht.“ Was daran jetzt so widersprüchlich ist? Abends konnte ich dann beruhigt zur Kenntnis nehemen, dass in Delmenhorst das Trinkwasser besser ist als Mineralwasser. 


Krankenkassenbeiträge: Petition unterstützen!

Der VGSD schreibt mich an: „Wir schreiben dir, weil du unsere Petition zum Thema „Rechtssicherheit für Selbstständige und ihre Auftraggeber“ mitgezeichnet hast. Aufgrund deiner Hilfe und durch die Unterstützung von über 20.000 anderen Mitzeichner/innen konnten wir die Petition im Mai 2016 übergeben. Durch Aktionen wie diese haben wir beim „Werkvertragsgesetz“, das seit April 2017 gilt, Schlimmeres verhindert. Jetzt gehen wir ein neues Thema an und fordern: „Einkommensabhängige Beiträge für Selbstständige – die Benachteiligung beenden!“ Wenn es uns gelingt, faire Beiträge in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung durchzusetzen, können viele Selbstständige das gesparte Geld in ihre Altersvorsorge investieren. Damit wird auch der Druck auf die Politik abnehmen, eine sehr weit gehende Rentenversicherungspflicht und noch strengere Regeln zur Scheinselbstständigkeit zu beschließen. Bitte unterstütze uns erneut und zeichne hier mit: vgsd.de/faire-beitraege Denn: Jede Stimme zählt für unseren gemeinsamen Erfolg. Mit der Petition fordern wir, dass gesetzlich versicherte Selbstständige nicht länger Beiträge bezahlen müssen, die höher sind als die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zusammen. Das ist momentan bei einem Großteil der Selbstständigen der Fall, denn Selbstständige zahlen hohe Mindestbeiträge, die bis zu 43% ihres Einkommens ausmachen; die Bemessungsgrundlage ist auch bei mittleren und höheren Einkommen 20 Prozent breiter als bei Angestellten; eine zum 1. Januar 2018 in Kraft tretende Gesetzesänderung wird die Situation noch weiter verschärfen.   

Mit der Petition kann nötiger Druck aufgebaut werden, um dem Ziel gerechter Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung näher zu kommen." Wer noch mehr Infos dazu braucht, liest einfach meinen Blog 19/2017 noch mal. 


Zeit für Besinnung: Einblick, Ausblick, Rückblick.

Auch die vielen positiven Feedbacks auf meinen Blog über Situation bei der Krankenversicherung für Selbstständige hat ein Problem nicht gelöst: Meine selbstgestellt Frage, ob ich zukünftig nur thematische Blogs schreiben soll, oder weiter in einem Wochenblog meine Einblicke, Ausblicke und Rückblicke mischen soll mit Themen aus meinem Beratungsalltag. Dazu habe ich mir dann einfach mal Zeit genommen und nachgedacht. Und einer meiner Leitsätze hat dann gewonnen: Nur noch Sachen zu machen, die mir wirklich Spaß machen – und so wird es auch in Zukunft dabei bleiben, dass es wöchentliche Blogs gibt mit thematischem Mix aus meinen Themen: Existenzgründung planen, Businessplan schreiben, Umsatz erhöhen und Unternehmen führen. Mit etwas Diszplin gibt es dann auch immer 6 Fotos vorab – täglich eins zum Thema des Tages, welches dann im Wochenblog ausführlich behandelt wird. Und der aktuelle Blog erscheint immer am Sonntag: High Noon. In Anlehnung an den gleichnamigen Western High Noon auch mein Musiktipp für diese Woche: Oh don't forsake me oh my darling - unerreicht das leise Singen des Textes und Klopfen des Taktes an der Tischkante von meinem Schulfreund Frank Schilling. Probiert es mal, es entspannt!



Kommentar schreiben

Kommentare: 0